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alles fliesst

Zur Welt gekommen bin ich im Jahr 1953 in Zürich an der Limmat als Kind von Eltern, deren Wiege ebenfalls an einem Fluss stand: die der Mutter in Prag an der Moldau, die des Vaters in Luzern an der Reuss. Schon deshalb kann ich eine gewisse Seelenverwandtschaft nicht ausschliessen, obwohl mir die Eltern in Vielem fremd waren und es auch blieben. Für Vieles bin ich ihnen heute dankbar; es war wichtig gebildet und gesittet zu sein, schön zu wohnen und gut zu essen. Aber besonders als Kind lebt man nicht vom Brot allein. Liebe und Geborgenheit fand ich bei meiner Grossmutter, die als junge Frau Schülerin von Cuno Amiet war und wunderbare Stilleben malte. In meinem Elternhaus ging es weltoffen, vielsprachig und ordentlich chaotisch zu. Es blieb wenig Zeit für uns Kinder, und der abwesend gemurmelte Satz Mach keine Geschichten! hat sich mir eingeprägt. Wohl aus Trotz reüssierte ich in der Sekundarschule einzig im Fach Aufsatz, was sich auch im Gymnasium nicht grundlegend änderte.

 
 

Zum Studiengang Berufs- und Laufbahnberatung gehörte ein Seminar in Selbsterfahrung, wo ich statt über meine inneren Nöte zu reden lieber eine Geschichte erzählte. Die erfahrene Therapeutin liess mir die literarische Veranschaulichung natürlich nicht durchgehen, genauso wenig wie zwanzig Jahre später der Studienleiter im Nachdiplom Supervision / Organisationsberatung.                     

Die Testmethoden der Psychologie brachten in der Beratung brauchbare Erkenntnisse, aber oft fand sich das Wesentliche in der Poesie: Das haben Sie schön gesagt freute ich mich, wenn die Klientinnen und Klienten ein neues Stück ihres roten Fadens entdeckten.

Meine Familie gründete ich zusammen mit meinem ersten Mann im Engadin. Unsere Verbindung wurde mit drei Söhnen gesegnet, einem Segen der nicht nur sprichwörtliche, sondern wunderbare Wirklichkeit ist. In dieser glücklichen Phase gewann ich mit der Kurzgeschichte Geburtswehen einen ersten Preis im Literaturwettbewerb der Schweizerischen Bildungszentrale. Es folgte die Publikation meines Buchs Windnest und Flugsame sowie die Veröffentlichung von Gedichte (beides Nimrod Verlag). Aber - alles fliesst – und dass so ein Haussegen zu Zeiten schrecklich schief hängt, brachte meine amerikanische Freundin so auf den Punkt: families are strange... Nicht nur das Familienleben, sondern das Leben im weitesten Sinne ist schön und schwierig zugleich, wie ich aus persönlicher und beruflicher Erfahrung weiss.  

 
 
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Mit fünfzig Jahren war ich meiner Ehe entwachsen, löste mich nach und nach vom Hochtal und schlug Wurzeln im Toggenburg. In Wattwil arbeitete ich zwölf Jahre auf der Berufs- und Laufbahnberatung, erst als Beraterin und dann als Beraterin/Leiterin. Neben den Aufgaben in Familie und Beruf fehlte schmerzlich die Zeit zum Schreiben.   

Jetzt bin ich pensioniert und dabei, die neue Freiheit auszuloten. Nicht zuletzt führt die geliebte alte Katze vor Augen, dass die Lebenszeit kostbar und begrenzt ist. Wir freuen uns an der wachsenden Familie, über das Zusammensein mit lieben Freunden und dem arbeiten im Garten am Bach. Welch ein Glück - die ersten zartgelben Primeln, die duftenden Rosen, die lila Herbstastern und die Tannen im Schnee. Habt ihr übrigens schon eine Eidechse beim Jagen beobachtet? Unbeweglich fixiert sie ihre Beute, dann peitscht ihr Schwanz hin und her, als würde die Echse eine Sprungfeder spannen, sie tut einen Satz und packt zu: eine dicke Fliege weniger. Ich könnte dem Wimmeln und Summen stundenlang zusehen... Die Gestalten meiner Erzählungen scheinen meine Neigung zum Träumen zu kennen: In diesen Momenten verdichten sie ihre Existenz, bis ich nicht anders kann als sie ins Leben zu schreiben. Herausgekommen dabei ist diese Hommage an kluge Frauen. Ist es nicht so? UNSEREINS macht gern Geschichten!

 

Mein Dank

gilt der grosszügigen Unterstützung durch den BPW Club Toggenburg

sowie Gianni Secchi, meinem unvergleichlichen Mann   

keinesfalls unserer Katze Emma, die sich einem Foto passenden Foto für diese website verweigerte und gelangweilt wegguckte